Walser singt Schubert
«Durchdringende Gestaltungskraft», «nuanciert geführte Stimme», «natürliche Ausstrahlung fernab von Allüren», «konzentrierte Ruhe»: Überschwengliche Kritiken muss man nicht lange suchen, wenn von Manuel Walser die Rede ist. Als er 2013, noch als Schüler von Thomas Quasthoff in Berlin, den renommierten Wettbewerb «Das Lied» gewonnen hatte, stand in einem Bericht des «Tagesspiegels» der schöne Satz: Sein Erfolg beweise, «dass selbst die besten Lehrer auf sehr gute Schüler angewiesen bleiben».
Manuel Walser singt Schuberts Winterreise:
4. März 18 Uhr Tonhalle St.Gallen
Manuel Walser, Jahrgang 1989, aufgewachsen in Teufen, ist nach Abschluss seines Studiums seit der Spielzeit 2015/16 festes Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper, wo er in vielfältigen Rollen quer durch das Repertoire von Mozart bis Strauss zu hören und zu sehen ist. Einen Wochenurlaub vom Operndienst nutzt Manuel Walser jetzt für sein neben Oper und Konzert besonders geschätztes drittes Fach, den Liedgesang.
Mit seinem Pianisten Alexander Fleischer hat er drei Konzerte mit Schuberts Winterreise angesetzt, in Zürich, Basel und in der St.Galler Tonhalle. Die Gelegenheit sollten Freunde des Lieds nutzen, denn Walsers Auftritte sind, sieht man von regelmässigen Engagements an den Konzerten der Bach-Stiftung ab, rar in der Region. Und gut möglich, dass am Ende seiner Winterreise dasselbe passieren wird wie September 2012, als er sein Debüt an der Schubertiade Hohenems gab mit Schumanns Dichterliebe: «Und am Ende brausen Bravos und Fussgetrampel durch den zuvor andächtig stillen Saal.»
Dieser Beitrag erschien im Märzheft von Saiten.