Umgehen mit dem Affentheater 

Das Wortlaut Festival im Jahr 2023 (Bild: pd/Timon Furrer)

Das Wortlaut-OK findet Hoffnung in der Literatur. Das Publikum auch? Ende März wird es sich zeigen.

Es ist ja wirk­lich nicht leicht, in die­sen Zei­ten die Zu­ver­sicht zu wah­ren. Man traut sich fast nicht, mor­gens die Zei­tung auf­zu­schla­gen. Täg­lich neue Über­ra­schun­gen, meis­tens bö­se. Die Welt ist ein ein­zi­ges Af­fen­thea­ter. Wie von Sin­nen trom­meln sich die Pri­ma­ten auf die Brust, wäh­rend sie kei­fend al­les aus dem Weg räu­men, was ih­nen im Weg ist, ob Ge­set­ze, In­sti­tu­tio­nen, Mo­ral­vor­stel­lun­gen oder Men­schen. 

«Hof­fen und Ban­gen» – das Schwer­punkt­the­ma des dies­jäh­ri­gen St.Gal­ler Li­te­ra­tur­fes­ti­vals Wort­laut passt da­zu ganz gut. Bü­cher­le­sen war ja schon im­mer ei­ne gu­te Be­wäl­ti­gungs­stra­te­gie. Und was ist noch bes­ser? Ge­nau, ge­mein­sam mit den Au­tor:in­nen und an­de­ren über die li­te­ra­ri­schen Denk­an­stös­se zu sin­nie­ren. «Wir sind da­von über­zeugt, dass es sich lohnt zu hof­fen, auch wenn der­zeit vie­le von uns ban­gen», schreibt das Wort­laut-OK. «Und wo, wenn nicht in der Li­te­ra­tur, kön­nen wir die­se Hoff­nung fin­den?»

Mit dem Leit­satz «Hof­fen und Ban­gen» will Wort­laut Re­so­nanz­räu­me für Dis­kus­sio­nen und Aus­ein­an­der­set­zun­gen schaf­fen. Da­bei ste­hen laut OK gros­se Fra­gen im Raum: «Wie be­wäl­ti­gen wir die ge­sell­schaft­li­chen Um­brü­che und die Kli­ma­kri­se? Wie kön­nen wir ver­han­deln, wie wir als Ge­sell­schaft le­ben möch­ten, wenn die Grä­ben im­mer tie­fer wer­den und die Kom­pro­miss­be­reit­schaft zu­rück­geht?» Und wir wür­den an­fü­gen: Wie be­kom­men wir die tes­to­ste­ron und macht­be­sof­fe­ne Af­fen­ban­de in den Griff? Schliess­lich trägt sie We­sent­li­ches bei zu obi­gen Fra­gen.

Ein­ge­la­den sind die­ses Jahr mehr als 40 Au­tor:in­nen. Er­öff­net wird das Fes­ti­val in der Lok­re­mi­se mit ei­nem Ge­spräch zwi­schen den Phi­lo­so­phin­nen Bar­ba­ra Blei­sch und Sven­ja Flas­spöh­ler. Sie spre­chen über die Am­bi­va­lenz des Strei­tens. Wei­te­re Po­di­ums­dis­kus­sio­nen, Werk­statt­ge­sprä­che und Le­sun­gen fol­gen un­ter an­de­rem mit Pe­ter Stamm, Jan Hel­ler Le­vi, Ju­dith Her­mann, Da­ni­el de Rou­let, Mi­c­hèl­le Mi­nel­li, Fré­dé­ric Zwi­cker, Ju­lia Scho­ch, Jo Lend­le und Douna Loup. So­gar ein Si­lent Re­a­ding Ra­ve fin­det statt. Und nicht feh­len dür­fen na­tür­lich der tra­di­tio­nel­le Poet­ry Slam in der Gra­ben­hal­le, der Gas­sen­hau­er und der Li­te­ra­tur­spa­zier­gang durch die Gal­lus­stadt.

16. Li­te­ra­tur­fes­ti­val Wort­laut: 28. bis 30. März, di­ver­se Or­te in St.Gal­len. Fes­ti­val­zen­trum: Ca­fe St.Gall, Bi­blio­thek Haupt­post St.Gal­len.

wort­laut.ch