Tiefgründig im Duo
Es fängt mit motorartigem Cello-Grummeln an, dazwischen schrille Akkordeon-Pfiffe – unversehens wird aus den Geräuschen Musik, ein lüpfiger Fetzen von Tanz auf Tasten und Saiten, rasch wieder vorbei und abgelöst von verlorenen Tönen, die einander und eine Melodie zu suchen scheinen. Bis sich daraus doch ein Stück herausschält: der populäre Innerrhoder Anna Koch-Jodel und ein daran angehängter kurzer Walzer.
Im Beinah-Nichts und aus der Improvisation beginnt das Album mit dem Titel TWOgether. Zusammen kommt in der Tat einiges, wenn sich zwei mit allen Wassern gewaschene Musiker wie Stefan Baumann und Goran Kovacevic zusammentun: geballte Ladungen Spielwitz, Virtuosität und Improvisationslust. Die beiden kennen sich aus verschiedenen Formationen seit langem und haben sich vor rund einem Jahr zum Duo zusammengetan. Kurz nach dem Projektstart kam Corona – jetzt im Dezember folgt Start Nummer zwei, mit CD-Taufe in Hundwil und einer Konzerttournee.
TWOgether live:
6. Dezember, 9.45 Uhr, Evang. Kirche Teufen (Gottesdienst).
Die geplante CD-Taufe vom 17. und 19. Dezember im Bären Hundwil muss wegen der aktuellen Corona-Massnahmen verschoben werden.
Neben Traditionellem aus dem Appenzellerland und Osteuropa nehmen Klassikbearbeitungen einen beträchtlichen Platz ein. Bachs Adagio aus der Gambensonate BWV 1029 oder der legendäre Schwan aus Saint-Saëns’ Karneval der Tiere, Highlights des Cello-Repertoires, kommen wie erstmals gehört daher. Daneben wird Ernest Bloch, der schweizerisch-amerikanische Komponist mit Flair für Melodien aus der jüdischen Folklore und Liturgie, verdienstvollerweise dem Vergessen entrissen. Und ganz weg schmilzt man mit John Dowlands Flow my Tears – im Original für Laute, hier vom Duo inspiriert verdichtet.
Die beiden Instrumente (und ihre Spieler) haben einen Hang zum Melancholischen, der auch im armenischen Wiegenlied Erzurumi Shoror zum Ausdruck kommt. Dass sie auch wilder können, hört man in Happy, einer swingenden Eigenkomposition Baumanns, und in Kovacevics Blue Eyes. Aber insgesamt zieht sich durch TWOgether eine nachdenkliche, tiefgründige Stimmung, zurückgenommen, hörend aufeinander bezogen, nie bloss virtuos auftrumpfend.
Musik als intensiver Dialog gleichberechtigter Partner – damit macht das Duo seinem Namen alle Ehre.
Dieser Beitrag erschien im Dezemberheft von Saiten.