Die grosse Sause im Stadtpark ist Geschichte, die Grabenhalle längst wieder im alltäglichen Betriebsmodus. Aber das Erinnern geht weiter. Schon im Vorfeld zum 40-Jährigen ist die Idee aufge- kommen, eine Jubiläumsausstellung zu machen.
Als Saiten Hauswart Adrian Schmid und Büromitarbeiter Barna- bas Németh zum Gespräch trifft, kehrt ersterer gerade vom städti- schen Hochbauamt zurück, das ihm vorübergehend den vermeintlich einzig existierenden Schlüssel zum stillgelegten Eisenbahntunnel ausgehändigt hat. Als wir in den Hallenuntergrund hinabsteigen, brennt bereits Licht und weiter vorne schimmert durch einen schma- len Treppengang Tageslicht durch den geöffneten Schacht. Entlang der Wände sind Fernwärmeleitungsrohre zur Montage deponiert. «Hoffentlich sind die fertig, bis wir die Ausstellung einrichten», sagt Németh. «Da weiss offenbar das Hochbauamt nicht, was das Tiefbauamt plant», kommentiert Schmid.
Es wäre ja nicht das erste Mal, dass sich Stadt und Grabenhalle ins Gehege geraten. Der ständige Ärger mit den Behörden gehör- te – mindestens in den Anfangsjahren – integral zur Identität der kulturell engagierten Jugend, die nach dem Brand des AJZ an der Gartenstrasse nach neuen kulturellen Freiräumen suchte und dafür erfolgreich kämpfte.
Adrian Schmid, 1973, hat diese Kämpfe nicht miterlebt. 1991 fuhr er ein erstes Mal mit seinem Töffli von Altenrhein zur Grabenhalle zum Konzert der niederländischen Synth-Psychedelic-Band The Legendary Pink Dots. Erst Jahre später kehrte er wieder zurück. Als Ende der 90er das Umfeld der Punkrocker von Tüchel öfters in der Halle rumhing, heuerte er als Barkeeper an. Später wechselte er in die Programmgruppe und wurde schliesslich Hausmeister.
Im Gegenzug hat Barnabas Németh, 1980, die 80er-Graben- kämpfe zumindest am Rande miterlebt. Seine Mutter war im poli- tischen Kunst- und Kulturkuchen jener Zeit aktiv und nahm ihn auch regelmässig mit an Demos. Das erste Mal in der Grabenhalle war er als etwa Fünfjähriger an der Kinderfasnacht. Später war er dann Stammgast der unzähligen Hip-Hop- und Reggae-Anlässe sowie – nach Zwischenstationen unter anderem beim Kugl und im Hafenbuffet in Rorschach – Mitglied der Programmgruppe.
Und heute gehören beide bereits zur Altersgruppe, die anfängt, in Erinnerungen zu kramen. Hausmeister Schmid initiierte die Idee, das Grabenhallenarchiv einmal aufzuarbeiten, zu ordnen, wo nötig zu digitalisieren und das ganze Material irgendwo extern einzulagern respektive zu archivieren, zum Beispiel im Frauen-, Geschlechter- und Sozialarchiv St.Gallen oder sonst wo. So weit ist man aber noch nicht.
Das zutage geförderte Archivmaterial im Rahmen des Jubiläums auszustellen, lag aber auf der Hand. Rasch bildete sich ein Arbeits- grüpplein um Schmid und Németh, dem sich auch die Hallenvete- ran:innen Pius Frey und Annemarie Gantenbein sowie Fotograf Mario Baronchelli anschlossen. Sie wühlten sich durch alte Plakate, die «Grabenzeitung», Monatsprogramme, Sitzungsprotokolle, Foto- kisten und Datenspeicher. Das Projekt wuchs sich zu einem riesi- gen, ungeordneten Haufen Arbeit aus, Wünsch- und Erreichbares klafften immer weiter auseinander.
So hat man sich für ein zweiteiliges Ausstellungskonzept ent- schieden: Im ersten Teil geht es um die ersten 20 Grabenjahre, ge- zeigt werden alte Plakate und eine mehr oder weniger vollständige Liste sämtlicher Anlässe dieser Ära; im zweiten Teil veranschau- lichen Fotos die zweiten 20 Grabenjahre bis in die Gegenwart. Die- ser Teil wird hauptsächlich von «Hausfotograf» Mario Baronchelli kuratiert. Die Ausstellung wird nur an sechs Abenden gezeigt und es dürfen sich aus Sicherheitsgründen nie mehr als 20 Personen gleichzeitig im Tunnel befinden. Also jeweils zeitig einreihen, please.
«Eindrücke aus der Sub-Kultur» – Graben-Jubiläumsausstellung: 20. bis 29. März, Donnerstag–Samstag, 19–21 Uhr, Grabenhalle St.Gallen (Eingang strassensei- tig beim Unteren Graben)
28. März: Fest zur Ausstellung