Sittertobel am Draht
Grün oder rot wird es dann leuchten, hoffentlich aber grün. Nicht dass Rot schlimm wär, nein, man kommt trotzdem durch, aber zuerst müssen sie noch das technische Problem lösen.

H.R. schimpfte ein bisschen mit mir am Habsburgstand, während nebenan auf der Sternenbühne eine Schmuseband spielte. Es ging um RFID. Was das ist, kann man hier nachlesen, oder ich kann es auch kurz erklären: Wer einen Openair-Eintrittsbändel trägt, hat einen Chip daran, und diesen Chip kann man mit einem Geldbetrag aufladen, und diesen jeweils als Gegenwert beim Erwerb von, sagen wir mal Bier, wieder abziehen lassen. Auch gibt es Schleusen auf dem Gelände, wobei man diese nur durch Hinhalten des Chips passieren kann, wie beim Skilift.
H.R. schimpfte, weil er fand, das Thema sei überhaupt nicht interessant. Jedenfalls nicht so interessant, dass man darüber schreiben müsste. Es hätte zwar ein paar Probleme gegeben am Donnerstag mit den Chips, RFID-Probleme, weil sie diesjährig ja zum ersten Mal in Benutzung sind. Beim Verlassen des Geländes hätte man nicht auschecken können, was problematisch ist, denn dann könnte man theoretisch am nächsten Morgen auch nicht wieder einchecken, weil sonst wären ja zwei seiner bzw. ihrer selbst anwesend, man wär quasi doppelt auf dem Platz. Und das geht nicht, error, rotes Licht, so sieht das der Supercomputer.
H.R. haben sie dann trotzdem reingelassen, schliesslich wissen die menschlichen Kontrolleure Bescheid um die Krankheiten der Software oder Hardware, denn solche Krankheiten kommen vor, gerade wenn sich die Sache noch im Kindheitsstadium befindet.
Und so standen H.R. und ich bei der Bar, wo immer ein bisschen ein Wind geht, der mich ans Rheintaler Riet erinnert, und an die Feste, die man dort feiert, in alten Blechhallen oder unter dem grossen weissen Zirkuszelt. Wir streiteten auch noch ein bisschen darüber, was denn passiert oder wie man mental damit umgehen soll, wenn man seinen RFID-Chip personalisieren lässt, also beim RFID-Büro die Identitätskartendaten auf den Chip schreiben lässt. Man kann prinzipiell dagegen sein, dass geloggt wird, wann man das Gelände betritt, wann man am meisten Lust hat auf Dinele, was man danach trinkt und so weiter. Und man kann sich fragen, was mit den Daten geschieht – werden sie statistisch ausgewertet zur Angebotsoptimierung verwendet?
Wie auch immer: Wir bestellen lieber ein neues Bier, heben zum Zahlen locker den Arm auf die Platte und lächeln.
(Was mich aber immernoch interessiert: Was würde die Barfrau sagen, wenn fünf Freunde ein Bier bestellen und den Arm des sechsten Freunds, der keins mehr will, weil er sich irgendwo zwischen Stehschlaf und Ohnmacht befindet, auf die Platte knallen? – Was H.R. immernoch interessiert: Wenn er einen Seich machen würde, etwa nach dem Bezahlen noch was klauen und davonrennen, würden sie ihn dann nach seinem registriertem RFID-Chip fahnden?)