Packen wirs an!

Saiten hat seinen CO2-Verbrauch berechnen lassen, sich für erste Kompensationsmassnahmen entschieden und denkt weitere Schritte an. Fazit: Es braucht überraschend wenig, um etwas fürs Klima zu tun.
Von  Roman Hertler
(Illustrationen: Monica Ursina Jäger)

Der Novemberausgabe des TCS-Verbandsmagazins ist das Sonderheft «eMotion» beigelegt. Mit Strom smart und ressourcenschonend unterwegs, prognostiziert Chefredaktor Felix Maurhofer. Grosses Umdenken in der Autolobby?

Das Inhaltsverzeichnis präzisiert das Bild: «Der Stromer von Jaguar setzt Akzente», «Porsche treibt mit dem Taycan die Elektrifizierung voran», «Der Audi E-Tron spielt in der Topklasse», «Der massige Mercedes EQC mit guter Motorisierung». Das E-Auto bleibt wohl mittelfristig ein Luxusspielzeug der Gutbegüterten. Die Serienproduktion von Kleinwagen lohnt sich für die Autoindustrie noch lange nicht.

Bei Fragen zu Details der Saiten- Klimabilanz, der Methodik ihrer Erhebung, zu unseren weiteren Plänen punkto Klimaschutz oder zum Wiederaufforstungsprojekt in Nicaragua: Schreibt uns (redaktion@saiten.ch oder verlag@saiten.ch) oder diskutiert mit, beispielsweise am Saitenschalter am 10. Dezember um 19 Uhr im Kulturkonsulat, Frongartenstrasse 9, St.Gallen.

Im Abschnitt der TCS-Sektion SG/AI/AR im Hauptheft, also basisnah, wird dann deutlich, welcher Wind beim Autoclub tatsächlich weht. Sektionspräsident Luigi R. Rossi jammert: Parkplätze verschwinden, die Politik dämme den Motorfahrzeugverkehr ein. Er zieht über die Velofahrer vom Leder, die sich nicht an die grundlegendsten Verkehrsregeln hielten und dennoch vom Staat fürstlich subventioniert würden. Sein Gefühl, Velofahrer würden in St.Gallen nicht von der Polizei kontrolliert, nicht gemassregelt und nicht gebüsst, habe sich in den letzten Jahren verstärkt. St.Gallen sei keine Velostadt, Topographie und Wetter liessen es nicht zu.

Dabei scheint Rossi zu vergessen, dass sein Dachverband im Sonderheft auch für E-Bikes wirbt, Gottfried-Keller- und Müller-Friedberg-Strasse werden auch für die Generation 70 Plus zur Spazierfahrt. Und dank Klimawandel wird das Wetter auch immer velogünstiger.

Halten wir uns jetzt aber nicht mit kühl-feuchten Automobilitätsträumen der Nachkriegsboomer auf. Über Leugner des Klimawandels geschimpft haben wir an anderer Stelle schon genug – und werden wir sicherlich auch wieder. Es ist Zeit zu handeln. Das zeigt beispielsweise der CO2-Contdown des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change:

«Etwas» fürs Klima tun kann jede und jeder, es ist kein Privileg der Reichen. Darf es nicht sein, auch wenn die grossen Weichen natürlich in der geopolitischen Chefetage gestellt werden müssen. Wie es um die Handlungsfreudigkeit der Mächtigen bestellt ist, zeigt sich allerdings immer wieder: Am WEF, an den Klimagipfeln, in den Parlamenten – es bleibt bei schönen Worten, wenn überhaupt. Ohne den Druck der Strasse, den Aufschrei der Jugend, das Umdenken und Handeln in kleinen Schritten an der Basis passiert rein gar nichts.

Für die Energiewende braucht es Information, Debatte, Optimismus – und gute Beispiele. Auch wenn Saiten ein kleiner Fisch ist, haben auch wir unseren ökologischen Fussabdruck. Wie der aussieht und wie wir damit umgehen wollen und können, haben wir uns in den vergangenen Monaten gefragt.

«Wir müssten alle aufhören zu atmen»

Konkret wird es im Juli. Verlagsmitarbeiter und Projektinitiator Marc Jenny traktandiert das Thema an einer Kollektivsitzung und formuliert einige Themen, die wir rasch, optimalerweise noch in diesem Jahr angehen wollen:

  • umfassende Klimaanalyse der Saiten-Produktion
  • alternative Handlungsweisen kennenlernen und anwenden
  • CO2-Ausstoss und allgemeinen Ressourcenverbrauch reduzieren
  • sinnvolle Kompensation des CO2-Verbrauchs
  • Berechnung der finanziellen Mehraufwände

 

Die Basler Beratungsfirma Carbotech offeriert uns eine solche Analyse für 3200 Franken. Am 23. August besucht uns Carbotech-Mitarbeiter und Wirtschaftsgeograph Gavin Roberts. Auf die naiv gestellte Einstiegsfrage, was «CO2-Neutralität» bedeutet, antwortet Gavin: «CO2-Neutralität gibt es nicht, wir müssten aufhören zu atmen.»

Die Kernfrage bei allen CO2-Bilanzierungen sei, wo man die Systemgrenzen festlege. Ein Autokilometer sei nicht einfach ein Autokilometer. Je nachdem, in welche Tiefen analytischer Ebenen man vorstossen wolle, müsse man nicht nur den Benzinverbrauch mitberechnen, sondern auch die Herstellung des Fahrzeugs, den Pneuabrieb oder die Abnutzung, sprich: den Bau und die Sanierung von Strassenbelägen.

Um nun die CO2-Emission der Saiten-Produktion zu eruieren, wir wählen das Stichjahr 2018, muss also ein gewisser Rahmen definiert werden, welche Bereiche unseres beruflichen Handelns und der Arbeitsprozesse wir in der Analyse berücksichtigen wollen. Gavin geht am ersten Treffen im August davon aus, dass der Druck, der Vertrieb und allenfalls der Pendelverkehr der Kollektivmitglieder ins Gewicht fallen könnten.

Und das Papier? «Sicherlich auch ein interessanter Punkt.» Und der Betrieb unserer Website? «Wir machen eine Grobschätzung anhand der Klickzahlen. Sollte sich herausstellen, dass dieser Bereich über ein Prozent eures Gesamt-CO2-Ausstosses ausmacht, würden wir diesen Bereich nochmals separat anschauen», sagt Gavin.

Fröhliches Schätzen statt stiere Empirie

Nach dem Vorgespräch und einem detaillierten Fragekatalog von Carbotech liegt der Ball bei uns. Saiten muss Carbotech mit Daten beliefern: Heizkosten, Stromverbrauch, Arbeitswege und Fortbewegungsmittel der Kollektivmitglieder, Geschäftsreisen, Büromaterial, Klickzahlen, externe Mitarbeiter (Stromverbrauch, Mobilität). Von der Druckerei Niedermann müssen detaillierte Angaben zur Heftproduktion eingeholt werden, bei der Post zum Vertrieb der Hefte.

Rasch zeigt sich, dass Klimabilanzierung nur bedingt als exakte Wissenschaft betrieben werden kann. Während Informationen zum Strom- und Heizenergieverbrauch relativ einfach zu beschaffen sind, verkommt die Berechnung der Arbeitswege zur willkürlichen Schätzübung. Wie oft kamen wir im vergangenen Jahr mit welchem Verkehrsmittel zur Arbeit? Und wo genau macht man bei einer Fahrt die Grenze zwischen persönlich-privater und beruflicher Mobilität? Wie ist beispielsweise ein Schlenker zum Gartenshopping-Center auf dem Weg zu einem Interview ausserhalb der Stadt zu bewerten?

Ich selber arbeite erst seit Anfang 2019 bei Saiten, ich habe also meine Arbeitswege bis Ende September fürs ganze 2019 hochgerechnet und als meinen Arbeitsweg fürs Stichjahr 2018 in die Statistik geschmuggelt. Eine grobe empirische Unzulänglichkeit. Es kommt noch dicker: Insbesondere, dass ich an den warmen Sommertagen und an Daten, an denen ich nach der Arbeit oder über Mittag die Stadt verliess, den Töff nahm, fällt verglichen mit den Zug- und Velofahrten meiner Kolleginnen und Kollegen erheblich ins (Kohlendioxid-)Gewicht. Das Auto existiert bei Saiten hingegen praktisch gar nicht, höchstens einmal für Fotografieaufträge oder auswärtige Termine.

Was berechnen wir bei den freien Autorinnen? Wir eruieren zunächst die Anzahl extern geschriebener Artikel für Heft (275) und Internet (180) sowie die Fotoaufträge (33) – diese Schätzung könnte recht gut hinkommen. Pro schriftlichem Beitrag gehen wir von durchschnittlich fünf Stunden Arbeit am Laptop aus und jeweils zehn Kilometern Anreise, hälftig zu Fuss oder mit dem Velo, hälftig mit dem öV. Pro Fotoauftrag verbuchen wir eine Stunde Laptoparbeit und fünf Autokilometer. Das ist zwar methodischer Schwachsinn, aber irgendwelche Annahmen müssen wir treffen, und wir sind der Überzeugung, dass wir eher zu viel als zu wenig notiert haben.

Post: Gleich weit wie vor zwei Jahren

Das Verlagsteam fragt die Post an, ob es möglich wäre, unsere Hefte über den «pro clima»-Versand der Post abzuwickeln. Die Post investiert dabei einen zusätzlich von den Kunden aufzubringenden Batzen in Klima-Projekte im In- und Ausland, die dem «Gold Standard» entsprechen. Aktuell investiert sie in Biogasanlagen in der Schweiz und in Kambodscha, um den CO2-Verbrauch der Kundensendungen zu kompensieren. Allerdings besteht das «pro clima»-Angebot derzeit nicht für Unternehmen. «Noch nicht», wie die Post gegenüber Saiten betont, man sei aber mit interessierten Firmen im Gespräch. Dieselbe Antwort erhielten wir schon vor zwei Jahren auf dieselbe Anfrage.

Am Telefon erklärt uns eine KMU-Beraterin der Post jetzt ausserdem, dass man den CO2-Verbrauch, den der Versand von Saiten verursacht, nicht bekannt gebe – Geschäftsgeheimnis (sic!). Nach einem weiteren Nachhaken nimmt die Post wieder Abstand von dieser Aussage. Der Teamleiter des «Kompetenzcenters Zeitungen der Abteilung PostMail Annahme und Sortierung der Post CH AG» lässt uns per Mail wissen, dass man uns nur darum nicht sagen könne, wie viel CO2 unser Heftversand verursache, weil man dazu schlicht keine Daten habe. Das «pro clima»-Angebot auf Zeitungsversände auszuweiten, sei intern zwar geprüft, aber schliesslich wieder verworfen worden, weil das Interesse der grossen Zeitungsverlage nicht vorhanden sei. Alternativ könnten die Hefte als klimaneutrale Inlandbriefe versandt werden, was die Versandkosten allerdings von gegenwärtig rund 45,5 Rappen auf 115 bis 200 Rappen verteuern würde.

Fazit: Man ist also nicht daran, mit Firmen weitere «pro clima»-Angebote zu prüfen. Unser Verlag bleibt hartnäckig am Ball. Wenn die Daten zur CO2-Emission des Heftversands vorhanden wären, müsste im Grunde auch ein «pro clima»-Versand relativ einfach möglich sein, so der Schluss. Man könnte ja auch in Zusammenarbeit mit Carbotech, die unsere CO2-Bilanz berechnet, die Daten erheben. Die Post sieht es anders und wiederholt in einem Mail, diesmal aus der Kommunikationsabteilung, man habe die Aufnahme der Zeitungsversände geprüft und aufgrund des erheblichen Mehraufwandes und mangelnden Interesses nicht eingeführt. «Aufgrund der zukünftigen Gesamtüberarbeitung des «proclima»-Versandangebots nehmen wir Ihr Anliegen in diesem Zusammenhang aber gerne in die Evaluation auf.» Es nützt alles nichts. Kein Interesse der grossen Verleger, kein Angebot, keine Nachfrage, kein Angebot… So spielt halt der Markt, auch im Service Public.

Kurz vor Redaktionsschluss meldet sich dann nochmals jemand von der Post: Es stehe ein Wechsel beim Produktmanager von «pro clima» an. Die neue Person fange 2020 an und werde das ganze Produkt überarbeiten. Auch der Bereich Zeitungsversand werde nächstes Jahr neu evaluiert. Man werde uns auf dem Laufenden halten. Immerhin.

Unsere grösste Sünde – das Papier

Am 6. November präsentiert uns Carbotech die Resultate: Saiten produziert 32,57 Tonnen Kohlenstoffdioxid-Äquivalent (CO2eq) pro Jahr. Das heisst, Produktion, Herstellung und Vertrieb unseres Magazins sowie unser Online-Auftritt tragen so viel zur Erderwärmung bei wie 32,57 Tonnen CO2, die in die Atmosphäre abgegeben werden. Zum Vergleich: Pro Kopf verursacht eine Person in der Schweiz 14 Tonnen CO2, wenn man jene Emissionen im Ausland miteinberechnet, die bei der Produktion von Gütern, die in der Schweiz konsumiert werden, entstehen.

Die Carbotech hat mit der Software SimaPro v9.0 nach der Methode IPCC 2013 GWA 100a v1.03 gerechnet. Herausgekommen ist dabei ein graphischer Baum, der die Saiten-Produktion in weit über 10ʼ000 Teilprozesse zerlegt, deren CO2-Emission aufgrund unserer an Carbotech gelieferten Daten in CO2eq und prozentualem Anteil am Ge samtausstoss anzeigen. Eine graphische Darstellung dieses Prozessbaums im Heft erübrigt sich aufgrund der schieren Komplexität, kann aber im Interessenfall bei uns angefordert werden. Wir beschränken uns hier auf die Betrachtung der übergeordneten – und für Normalverbraucher (wie Saitenredaktoren) verständlichen – Hauptfaktoren.

Die grössten Brocken hierbei sind – wenig überraschend – die Magazinherstellung und der Vertrieb mit einem Anteil von 22,67 Tonnen oder 69,6 Prozent am Gesamtausstoss. Dabei machen wiederum die Herstellung und der Transport des Papiers in unsere Druckerei den Löwenanteil aus. Allein die Papierherstellung fällt mit 42 Prozent an der Gesamt-CO2-Emission enorm ins Gewicht. Im Artikel Die Ökologie des Papiers (ab S. 22) werfen wir einen Blick in die globalisierte Papierbranche und die Auswirkungen auf unsere CO2-Bilanz. Der Betrieb unserer Homepage, der hier mitgerechnet ist, verursacht lediglich 0,57 CO2eq.

Zweitgrösster Posten ist der Energiebedarf unseres Büros. Wir verbrauchen jährlich rund 1500 Kilowattstunden Strom. Der Pro-Kopf-Stromverbrauch in der Schweiz liegt aktuell bei etwa 7500 Kilo wattstunden. Der Strom macht aber nur 2 Prozent unseres Büroenergiebedarfs aus. 98 Prozent fallen auf die Gasheizung. Sie verursacht 23 Prozent unseres CO2-Ausstosses, also etwa 7,5 Tonnen CO2eq.

Die weiteren Posten Büromaterialien (Computer, Drucker, Druckpapier: 2,9 Prozent), Geschäftsreisen (ein Retourflug nach Berlin: 2,3 Prozent), Arbeitswege (0,9 Prozent) und externe Mitarbeiter (0,8 Prozent) sind hingegen schon fast vernachlässigbar. Carbotech schliesst ihre Analyse mit folgenden Empfehlungen: Prüfen der Verwendung von Recycling-Papier oder kompletter Verzicht auf die Printausgabe; Sicherstellen, dass beim anstehenden Umzug (Saiten muss das liebgewonnene Kulturkonsulat wegen Gebäudeabriss im Frühling verlassen) am neuen Ort umweltschonend geheizt wird und das Gebäude gut isoliert ist; Umstellung auf Ökostrom; Kompensationsmassnahmen.

Was wir tun, womit wir hadern & was noch kommt

Das Ziel von Saiten war es von Anfang an, möglichst auf CO2-Kompensationsmassnahmen zu verzichten, wenn andere Massnahmen wirksam und sinnvoll erscheinen. Natürlich verbergen sich hinter dem «grünen Ablasshandel» etliche Fallstricke – Widersprüche, mit denen wir vorläufig leben müssen. Bevor wir weitere Schritte andenken und einleiten, entscheidet sich das Kollektiv dennoch für eine sinnvolle Kompensationsmassnahme. Hierbei lassen wir uns von MyClimate beraten.

Wir entscheiden uns für ein kommunales Wiederaufforstungsprojekt in der nicaraguanischen Gemeinde San Juan de Limay – und damit auch gegen Kompensationsmassnahmen im Inland. In San Juan arbeiten kleinbäuerliche Familien zusammen, um ungenutzte Teile ihres Landes in der Platanares-Wasserscheide wieder aufzuforsten. Detaillierte Infos zum Projekt hat MyClimate gibt’s hier. Das Aufforstungsprojekt in Nicaragua entspricht dem «Gold Standard». Dieser bezeichnet ein Klimasiegel, das 2003 vom WWF und anderen Umweltverbänden entwickelt wurde und ein Qualitätslabel für Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern darstellt. Ein solches Projekt hat gegenüber Kompensationen im Inland den Vorteil, dass mit dem investierten Geld im Ausland verhältnismässig «mehr» fürs Klima getan wird. Ausserdem ist Saiten dezidiert der Ansicht, dass in der Schweiz genug Geld vorhanden ist und Innovationen im Umweltbereich nicht noch zusätzlicher Finanzierung bedürfen. Das Saitenkollektiv entscheidet, seinen CO2-Ausstoss über MyClimate eineinhalbfach zu kompensieren, was uns jährlich 1500 Franken kostet. Dem Label nach sind wir damit CO2-neutral. Aber natürlich ist es damit für uns noch nicht getan.

Auch das Thema Divestment, sprich das Verzichten auf Investitionen in Unternehmen, die mit fossilen Energieträgern wirtschaften, interessiert uns. Natürlich investiert Saiten nicht direkt in solche Fonds, aber unsere Bank (Postfinance) und unsere Pensionskasse (ASGA, Altersvorsorge der Gewerbe- und Detaillistenverbände St.Gallen-Appenzell) tun es möglicherweise. Über die Anlagepolitik der Postfinance ist uns derzeit nichts bekannt. Wir ziehen aber einen Wechsel zur Alternativen Bank Schweiz in Betracht.

Die ASGA meldet uns, man befinde sich in der «Schlussphase der Erarbeitung der Politik für die Berücksichtigung der Nachhaltigkeit in unseren Kapitalanlagen». Die Berücksichtigung der ESG-Risiken (environment, social, governance) werde vom Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung als «Teil der treuhänderischen Verantwortung» gesehen. Anfang 2020 werde man die Nachhaltigkeitsstrategie dann detailliert, verbindlich und transparent kommunizieren. Man habe sich bereits im Rahmen der letzten Strategieüberprüfung «explizit gegen direkte Investments in Rohstoffderivate ausgesprochen». Schon heute basierten die Ausschlusskriterien der ASGA auf der Liste des Schweizer Vereins für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen (SVVK). Zu dem werde bei den selber umgesetzten Immobilienprojekten darauf geachtet, «dass ökologische Aspekte miteinbezogen werden». Genaueres expliziert die ASGA vorerst nicht, auch nicht, ob sie allenfalls in direkt in Rohstoffderivate investiert. Saiten bleibt dran!

Ein Thema, dass uns immer wieder beschäftigt, ist und bleibt das Papier. Im Rahmen der nächsten grossen Bestellung, die 2020 ansteht, werden wir eine Umstellung auf Recyclingpapier erneut prüfen. Hierbei ergeben sich aber nicht nur Vorbehalte bezüglich Druckqualität für ein Magazin, quasi ein Luxus-für-die-Augen-Problem, auch die CO2-Emission des Papierrecyclings wirft Fragen auf, die es genauer zu prüfen gilt.

Fazit, vorläufig

Unser CO2-Austoss ist vergleichsweise gering. Mit dem Kompensationsprojekt in Nicaragua ist es nicht getan. Sollten wir weniger heizen? Weniger Drucken? Eine geringere Druckqualität in Kauf nehmen und damit den Ausschuss (Makulatur) verringern? Sollen wir ein dünneres Heft produzieren? Es sind Fragen, die wir bis Redaktionsschluss nicht abschliessend durchdiskutiert haben. Was für uns – und hoffentlich auch für euch – derzeit nicht in Frage kommt, ist der komplette Verzicht auf das gedruckte Saiten. Daran hängen wir viel zu sehr.

Dieser Beitrag erschien im Dezemberheft von Saiten.