Online Nörgeln: Jetzt auch konkret

Die Idee stammt aus Grossbritannien und heisst «Fix my Street». Bürgerinnen und Bürger melden per App oder Webseite, wo die Stadtverwaltung intervenieren soll. Kaputte Strassenlampen, verdreckte Parkbänkli, rutschige Fahrbahnen oder gefährliche Baustellen beispielsweise. Die Stadt lagert damit nicht nur die Kontrollpflicht an die Bürgerinnen und Bürger aus – sie tritt gleichzeitig in einen «Dialog» (und wie anonyme Online-Dialoge aussehen können, wissen wir ja nicht erst seit ein paar Wochen).
Nun gut, das Konzept funktioniert und meist reagieren die Behörden auch sichtbar schneller. Grüne, sprich erledigte Meldungen auf der Karte, machen sich einfach besser.
Auch Zürich hat seit 2013 eine «Denunziantenapp» (Tages-Anzeiger), den «Lappalienmelder» (Blick). Eine erfolgreiche Sache. Immerhin wurden über 6000 Meldungen publiziert, die meisten bereits bearbeitet. Traurig sind vielleicht die Meldungen: Abfall, Graffiti, Abfall, Tags, Abfall, Abfall.
Aber auch: Kiffende Jugendliche. Ein volles Tram. Kein Parkplatz frei. Velofahrerin auf dem Trottoir. Dauerparkierer in der blauen Zone. Alles mit Beweisfoto versehen. Ein Volk von Nörglern, Oberlehrern und Denunziantinnen meldet zwar ehrlich, aber eben nur anonym. Die Perlen unter den Meldungen wurden allerdings nie publiziert: Beispielsweise «Spielplatz kaputt», Areal Hardturmstadion.
Seit heute hat auch St.Gallen eine eine solche App, den «Stadtmelder».
Bisher erfasst wurden: eine defekte Beleuchtung im Riethüsli, eine defekte Velopumpe am Bohl, Schlaglöcher in der Strasse beim Bahnhof Haggen sowie eine kaputte Treppe bei der St.Leonhardsbrücke.
Uns wären da noch ein paar weitere Mängel aufgefallen:
Datenjournalist Julian Schmidli hat übrigens ein Jahr lang Meldungen auf der Zürcher App analysiert. Auch seine Zahlen belegen: Dreck, Schmutz und Löcher regen die Bevölkerung am meisten auf.