Kurz nach ihrem Auftritt am St.Galler Literaturfestival Wortlaut machen die US-amerikanischen Lyriker:innen Jan Heller Levi und Jan Herman noch einen Abstecher ins Palace. Sie wurde 1954 in New York geboren und lebt heute mit ihrem Partner und «Adventurer», dem Schriftsteller Christoph Keller, in St.Gallen. Er wurde 1942 ebenfalls in New York geboren.
Beide lebten lange Zeit in dieser Weltstadt und bewegten sich in diversen Protest- und Undergroundbewegungen seit den 60er-Jahren. Auch der jüdische Hintergrund verbindet «Jan & Jan». Das in diesem Fall aber wohl wichtigste Bindeglied ist Florian Vetsch, mit dem sie den Abend im Palace bestreiten. Der St.Galler Autor und Übersetzer hat mehrere Gedichte der beiden ins Deutsche übertragen. Im Real Life kennengelernt haben sich die zwei erst über ihn.
Jan Herman ist ein Vertreter der Beatliteratur, Vetschs Spezialgebiet. Zusammen mit Carl Weissner und Jürgen Ploog hat Herman 1972 den Schnitttext Cut Up or Shut Up herausgegeben, mit einem Vorwort von William S. Burroughs. Seine bevorzugte Gedichtform ist das Sonett, allerdings hält er sich ausser an die traditionellen 14 Verse kaum an Regeln und nennt seine Gedichte darum «Deformed Sonnets», «Missgestaltete Sonette». Sterblichkeit, Zerfall, aber auch Liebe und Freundschaft sind bei ihm wiederkehrende Themen.
Die Sujets von Jan Heller Levi sind weniger düster – auf den ersten Blick. Sie schreibt oft über Familie, die Künste, insbesondere die Musik, die jüdisch-christliche Mythologie und Beziehungen aller Art. Früher verbrachte sie viel Zeit in feministischen und antirassistischen Gruppen, vor allem im Wirkkreis der Aktivistin June Jordan, deren literarischen Nachlass sie lange verwaltete. Auch für andere Autorinnen engagiert sie sich bis heute stark.
Florian Vetsch beschreibt sie als «eine pure Dichterin, die gern flächige, weit ausholende Gedichte schreibt». Ihr Gedichtband Once I Gazed at You in Wonder wurde 1998 mit dem Walt Whitman Award ausgezeichnet. Eine geradezu bedrückende Aktualität hat ihr Langgedicht Dear President Obama, das sie im Januar 2017 im Schatten von Trumps erstem Amtsantritt schrieb. Darin geht es um Menschenwürde und um «Kummer und Graus», die nahen. Was sie heute darüber denkt? Im Palace werden wir es hoffentlich erfahren.

Erfreuliche Universität – Florian Vetsch liest mit Jan Heller Levi & Jan Herman: 1. April, 20:15 Uhr, Palace St.Gallen
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