Innensicht: Vom Laden zur Kunststube
Vor fünf Jahren hiess das «Perronnord» noch «Bierstübli» und strahlte einen dementsprechenden Charme aus. Dann fragte Wirt Fredi Birrer den Grafiker und Stammgast Jürg Schmid, ob er nicht einsteigen wolle. Und der sagte zu. Nun erkennt man wieder, dass der vordere Teil des Restaurants ursprünglich eines der Ladengeschäfte in der heute denkmalgeschützten «Geschäftshäusergruppe» der Rosenbergstrasse war – so heisst es auf den Plänen aus der Bauzeit. Die repräsentative Zeile wurde vom damaligen Grossarchitekten Wendelin Häne geplant, fertiggestellt wurde dieser Teil der Zeile 1901.
Perronnord, Rosenbergstrasse 48, 071 220 11 30, perronnord.ch
Schon 1903 wurde aus dem Laden aber eine Wirtschaft. Die Stimmung, die solche Orte hatten, kann man in diesem Lokal noch nachvollziehen, der getäferte Raum ist im vorderen Teil weitgehend im Original erhalten. Das durch die ganze Gebäudetiefe reichende Restaurant, wie es sich heute präsentiert, entstand aber erst 1983.
Aus dieser Zeit stammt vermutlich auch jener Teil der Decke, die in Holz eine Hurdiskonstruktion verdeckt – oder vielleicht nur imitiert. Die Baustile im Lokal sind ein wilder Mix, und das gilt auch für die dicht gehängten Bildern an der Wand: keine grosse Kunst, sondern eine krude Mischung, vieles in Brockenhäusern gefunden, einiges von Gästen mitgebracht.
Mit dieser Atmosphäre ist das «Perronnord» ein Ort der Debatten geworden, der auf jedes «So-tun-als-ob» verzichtet. Hier ist alles echt – von der Jukebox über die von einem Ventilator angeblasenen Swissair-Modellflieger bis hin zu den legendären Cordon-Bleus.