Innensicht: Wiener Caféhaus

Restaurants haben nicht nur ein kulinarisches, sondern auch ein architektonisches Innenleben. Bemerkenswerte historische oder heutige Interieurs in der Stadt St.Gallen stellt die Rubrik «Innensicht» vor, eine Kooperation der Heimatschutz-Sektion St.Gallen/Appenzell I.Rh. mit Saiten. Heute: Tea Room Roggwiller.
Von  Gastbeitrag

1905 kaufte Fritz Kuhn das Haus «zum Sternen» an der Multergasse, in dem damals schon seit rund 50 Jahren eine Konditorei betrieben wurde. Kuhn war als junger Confiseur weit herumgekommen und die Wiener Kaffeehäuser hatten es ihm offensichtlich angetan.

Sein Geschäft lief gut und so liess er 1913 das Lokal vom Baumeistergeschäft W. Heene’s Erben zum roten Plüsch-Café umbauen.

Multergasse 17, 071 222 50 92, roggwiller.ch

Die Details dieses Umbaus kennen wir, weil bei einer Renovation 1982 die Decke neu eingezogen wurde und dabei die «Flaschenpost» von Fritz Kuhn ans Licht kam, datiert mit 7. Oktober 1913.

Und so wie es vor über 100 Jahren eingerichtet wurde, präsentiert sich das Lokal bis heute: Die drei Sitznischen mit den Schmiedeisengittern und das Kirschbaumbuffet, die gepolsterten Bänke und auch die meisten Stühle sind Originalstücke. Tapete und Teppiche wurden zwar verschiedentlich erneuert, aber immer im gleichen Stil. Bei der Sanierung 1982 wurde beispielsweise das Mobiliar zuerst aus- und dann neu gepolstert wieder eingebaut, erinnert sich der damalige Betreiber, Claude Bauhofer.

Den Namen «Roggwiller» bekam das Lokal 1941 mit dem Kauf des Hauses durch Confiseur Hermann Roggwiller, doch weder der neue Besitzer noch der neue Name änderten etwas am Wiener Stil.

Heute führen Monika und Martin Schnyder den Betrieb. Und wer sich dort niederlässt, spürt rasch: Nicht nur das Lokal, sondern auch die Mitarbeitenden und die Gäste pflegen Traditionen. Kein Wunder also, ist das Lokal nie zum Café geworden, sondern stets «Tea Room» geblieben.

Dieser Beitrag erschien im Januarheft 2019.