Innensicht: Die türkise Welle
Das Haus mit der runden Ecke und dem achteckigen Zwiebelhauben-Turm im Spitz von Lämmlisbrunnen- und Unterer Büschenstrasse wurde 1899 erbaut. Im Erdgeschoss müssen es einst zwei eher kleine Räume gewesen sein, darauf deuten die beiden Eingangstüren hin. In den Originalplänen ist hier ein Vereinslokal vorgesehen, doch schon ab den 1910er-Jahren wechselten sich in den Räumen Ladengeschäfte ab. Bis Anfang der 1950er-Jahre gehörte das Haus der Familie von Bierbrauer Paul Hock. Mit dem «Bierhof» nebenan galten diese Backsteinhäuser als Brauer-Ecke.
Lämmlisbrunnenstrasse 51
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2009 entdeckte Sawitri Sophia Benini das damals leerstehende Lokal und richtete dort ihr «Fernwehlokal» mit dem Namen «La Buena Onda» ein. Wie gut diese Welle rollt, sprach sich rasch herum, auch weil sie dort oft Konzerte mit internationaler Besetzung organisierte. Vor zwei Jahren gab die Gründerin ihr Lokal an ihre Mitarbeiterin Iva Medkovà und deren Partner Jiri Vesely weiter. Die beiden stammen ursprünglich aus Tschechien, gehören aber inzwischen zu dem, was man St.Galler Szene nennen kann.
Das Lokal hat – Sinnbild für die gute Welle – einen Anstrich in kräftigem Türkis bekommen, in einer Art, die wohl dem Denkmalpfleger wenig gefällt: Im inventarisierten Haus sind die Wände der Bar von der Fussleiste bis unter die Decke mit Baumarkt-Farbe durchgestrichen. Doch Farbe lässt sich ja überstreichen oder ablaugen. Und der besonderen Architektur des dreieckigen Raumes mit seiner erkerartigen Rundung kann ein bisschen Farbe nichts anhaben – er bleibt speziell. Und noch sind Originalelemente erhalten: das Fischgratparkett, Zierleisten und Profile und vor allem die Holzrollläden auf der Strassenseite, die auch nach 120 Jahren noch rollen, wenn auch nicht mehr ganz rund.
Sorgfältig ausgewählt ist das Mobiliar, mit Jugendstilstühlen und Holztischen. Die Bar ist ein Entwurf der früheren Wirtin – eingepasst in den Raum. An beiden Enden des Lokals lässt es sich in Sofas lümmeln, im Erker steht ein Klavier für die nächsten Konzerte bereit. Allerdings finden inzwischen deutlich weniger Musikanlässe statt, «denn du kannst dich nicht mehr drauf verlassen, dass die Leute dann auch wirklich kommen», wie Jiri Vesely bedauert.