Pünktlich zum Frühlingsbeginn steigen diese Woche die Temperaturen und es gibt viel Sonne. Aber vor allem: Im Palace (und in der Garage des Palace) steigt von Donnerstag bis Samstag das Märzfest.
Dafür hat das Palace-Team ein Programm zusammengestellt, das sich mehr als sehen lassen kann. Im Line-up finden sich Künstler:innen und Formationen, von denen einige erstmals überhaupt in der Schweiz zu sehen sind und manche vielleicht letztmals in einem so intimen Rahmen. Aber nicht nur das, denn «zwischen den Marmorsäulen» sollen gemäss Palace auch «die herrschende Kälte und Kleingeistigkeit» abgeschüttelt werden.
Und gegen die Kleingeistigkeit redet es auch aus den Hintergründen, besser gesagt aus «den Untergründen des Palastes»: Es gibt nämlich ein Märzfest-Radio. Praktisch alle Konzerte werden auf der Palace-Website gestreamt, dazwischen berichten die Künstlerin Julia Kubik und Musikjournalist Benedikt Sartorius aus einem in der Garderobe eingerichteten Radiostudio live über das Festival, führen Interviews mit den auftretenden Musiker:innen sowie anderen Gästen und versorgen die Daheimgebliebenen mit einer guten Portion Festlaune.
Groove und gerappte Parallelwelten
Am Donnerstag startet das Märzfest im Palace gleich mit einem kleinen Feuerwerk an energiegeladenen Klängen. Den Anfang macht Palme Cadelli, ein Duo, das gemäss Ankündigung «kompromisslosen Groove und eine ironisch-witzige Coolness» auf die Bühne bringt. Kann man nicht streamen (wirklich nicht!), muss man live hören!
Weiter geht es um 21.15 Uhr mit der 21-jährigen Bernerin Soukey, die mit stilsicheren Rap-Zeilen über Ausgrenzung, mentale Gesundheit und Tabus auf ebenso stilsicheren Trap-Beats überzeugt.
Danach gibt’s von Carlo Karacho «obligat spacey Synthies und Noise». Den Abschluss der ersten Märzfestnacht macht die St.Galler Band Kolladderall mit einer zünftigen Portion Punk, angereichert mit Hip-Hop und Hyperpop. Das Palace prophezeit Moshpit und Gruppenumarmung.
Diskussion und treibende Rhythmen
Am Freitag geht’s weiter mit einer Mischung aus Ambient und elektronischer Magie: Rafael Toral inszeniert eine komplexe Klangwelt, die von «Drone-Musik bis Vintage-Jazz reicht». Auf den Portugiesen folgt Musik aus Dänemark: Die vierköpfige Noise-Free-Rock-Band Selvhenter setzt ein besonderes Statement. Das Palace erklärt es so: Musik, die sich «auf eine reizend unangenehme Art ins Gehör bohrt».
Danach bringt Kiss Facility mystischen Shoegaze-Sounds, gemixt mit «arabischen Elementen». Hier ist einiges zu erwarten, denn das Palace schreibt zur Künstlerin, dass «ihr Erscheinen auf der Bühne ein glänzendes Fest der Fulminanz und ihre Stimme ein einziger Wolkentraum» sei.
Von den Wolken geht’s dann weiter zu Hip-Hop und Bass Music von 2K88, der sich «in letzter Zeit tiefer der textlosen Sphäre der elektronischen Musik zugewandt» hat. Den Abend schliesst dann El Kontessa ab. Ihr DJ-Set ist ein «klug collagiertes und tanzbares Experiment aus Pop, Mahraganat (oder Shaabi-Electro) und Gqom».
Für alle etwas
Der dritte und letzte Märzfesttag beginnt bereits, wenn einige Tanzmäuse vermutlich noch nicht ganz fit sind. Aber das ist nicht schlimm, denn das Zielpublikum ist am frühen Nachmittag ohnehin ein anderes: Los geht es nämlich um 13.30 Uhr mit der Kinderdisco. Ab 18 Uhr geht es dann weiter mit einem prall gefüllten Programm für das erwachsene Publikum.
Den Auftakt macht Johannes Dullin, ein «richtig guter, progressiver Clown», den das Palace wie folgt beschreibt: «Seine Comedy ist absurd, albern und überhaupt nicht vorhersehbar. Rauschhaft feiert er den Unsinn und potenziert das Absurde bis ins Unermessliche.»
Danach gibt es alles, was Herz und Ohr begehrt: Knarf Rellöm Arkestra, Angry Blackmen, Babii. Und für alle, die auch weit nach Mitternacht noch munter sind, liefert Crystalmess einen Mix aus «Hardcore Trap, Footwork und Afrotrance». Es dürfte nicht nur der finale Höhepunkt des Märzfests werden, sondern auch einer der Höhepunkte der diesjährigen Palace-Saison.
Zweite Spielstätte
An jedem Tag des Märzfestes findet auch eine Veranstaltung in der Garage des Palace statt. Den Beginn macht am Donnerstag um 20.15 Uhr der Berliner Musiker Dennis Schulze alias CV Vision mit einen Trip ins Wunderland aus Lo-Fi-Sounds und Retro-Futuristik. «Galoppierende Trommeln, satte Prog-Riffs und poetische Texte erinnern an ein goldenes Zeitalter, in dem eine wundersame Geschichte erzählt wird», heisst es zu seinem 2024 erschienen vierten Album ImTal der Stutzer.
Am Freitag bietet dann die Erfreuliche Universität um 21.30 Uhr Zeit für Diskussionen: Es geht um Aktion oder Kontemplation, um Vormärz oder Biedermeier.
Mit Maria Bertel und Lily Gasc geht es am Samstag weiter in der Garage. Bertel ist die Posaunistin von Selvhenter und «lotet mit dröhnenden Sounds und rauen Melodien die Frequenzbereiche der Posaune aus». Danach liefert die Lausannerin Lily Gasc mit «kilometerhohen rosa Plateauschnürstiefeln, Glitzer und Pompoms an den Nägeln» eine Revolution aus Punk und Pop.
Und wenn am Sonntagmorgen bald schon die ersten Vögel pfeifen, geht das rauschende Märzfest zu Ende – und es bleiben, hoffentlich, wunderbare Erinnerungen.
Märzfest, 20. bis 22. März, Palace St.Gallen