Erfreuliche Universität mit abscheulichem Fokus

Zwei Abende im Palace über Rechtsextremismus in der Schweiz und Antifaschismus in Deutschland in den 1990er-Jahren.

Ber­lin 160’000. Ham­burg 65’000. Stutt­gart 44’000. Wäh­rend der letz­ten Wo­chen ha­ben Hun­dert­tau­sen­de in Deutsch­land ge­gen die AfD und die CDU de­mons­triert, aber auch ge­gen Ras­sis­mus und fürs Er­in­nern. Auf den Schil­dern der De­mons­trie­ren­den stand: «Wir sind die Brand­mau­er» oder «Nie wie­der». Das lässt hof­fen. Lei­der aber sind rech­te Kräf­te nicht nur in Deutsch­land auf dem Vor­marsch. Auch in den USA, in Ar­gen­ti­ni­en, Russ­land, Frank­reich oder Ita­li­en keimt der Fa­schis­mus.

Ein Blick in die Ge­schich­te zeigt je­doch, dass Wi­der­stand wich­tig und mög­lich ist. So bil­de­te sich auch in den 90iger- und 00er-Jah­ren ei­ne ak­ti­ve Wi­der­stands­be­we­gung ge­gen Fa­schist:in­nen und ras­sis­tisch mo­ti­vier­te Po­li­tik. Das Pa­lace zeigt im Rah­men der Ver­an­stal­tungs­rei­he Er­freu­li­che Uni­ver­si­tät am 18. März ei­nen Do­ku­men­tar­film aus di­ver­sen Ar­chiv­bil­dern und Auf­nah­men von Ak­ti­vist:in­nen je­ner an­ti­fa­schis­ti­schen Be­we­gung in Deutsch­land. Im An­schluss spre­chen Zeit­zeu­gen über die Si­tua­ti­on da­mals in der Ost­schweiz.

Apro­pos Schweiz: Pro­mi­nen­te Ver­tre­ter:in­nen der hie­si­gen rech­ten Flü­gel to­le­rie­ren ja ger­ne die en­gen Ver­bin­dun­gen ei­ni­ger ih­rer Par­tei­kol­leg:in­nen mit fa­schis­ti­schen Strö­mun­gen – oder wie war das mit dem of­fen na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Mar­tin Sell­ner und der Stra­te­gie­che­fin der Jun­gen SVP, Sa­rah Re­gez? Oder den Schwei­zer Gren­zen wäh­rend des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus in Deutsch­land? Erst kürz­lich ver­öf­fent­lich­te das «Ma­ga­zin» ei­ne Re­cher­che über den Brand­an­schlag auf ei­ne Asyl­un­ter­kunft in Chur 1989, bei dem vier Men­schen star­ben, dar­un­ter zwei Kin­der. In ih­rem Ar­ti­kel stel­len die bei­den Jour­na­lis­tin­nen Bar­ba­ra Acher­mann und An­ja Con­zett fest: Es war ein An­schlag – und: Es wur­de nie ernst­haft er­mit­telt. Fast ge­nau so schreck­lich ist al­ler­dings die Tat­sa­che, dass kaum je­mand über die­sen An­schlag, ge­schwei­ge denn die To­ten Be­scheid weiss. Der Fall hat es nie in das kol­lek­ti­ve Ge­dächt­nis der Schweiz ge­schafft. Und wo sich nie­mand er­in­nert, kann auch nicht vor Wie­der­ho­lung ge­warnt wer­den.

Um die­se Fra­ge dreht sich die zwei­te Er­freu­li­che Uni am 25. März. Im Zen­trum steht die «Ma­ga­zin»-Re­cher­che. Zu Gast ist die Schwes­ter der ver­stor­be­nen Brü­der Me­na Ni­ro­zan so­wie die Jour­na­lis­tin An­ja Con­zett. Ge­mein­sam mit dem His­to­ri­ker Da­mir Sken­dero­vic und dem Stadt­par­la­men­ta­ri­er Je­y­aku­mar Thurai­ra­jah ge­hen sie der Fra­ge nach, wes­halb rechts­extre­me Ta­ten hier­zu­lan­de kaum ver­folgt wer­den und ob es ei­ne Er­klä­rung gibt für das kol­lek­ti­ve Ver­ges­sen und Ver­drän­gen sol­cher Ta­ten.

 

An­ti­fa­schis­mus im Deutsch­land der 90er Jah­re: 
18. März, 20.15, Pa­lace St.Gal­len

Die ver­dräng­te Ge­schich­te des Rechts­ex­tre­mis­mus in der Schweiz: 25. März, 
20.15 Uhr, Pa­lace St.Gal­len

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