Eine grosse, nicht viele kleine Suppen

Schwarmhilfe schön und gut, aber Crowdfundings sind der falsche Ansatz in dieser Krise – mit zwei Ausnahmen. 
Von  Corinne Riedener
Die «Stimmen aus dem Internet» hat die Saiten-Grafik zusammengetragen.

Die Coronakrise bringt viele an den Rand der Existenz. Grosse und kleine Unternehmen, Selbständigerwerbende, Angestellte im Stundenlohn und auch viele Kulturschaffende. Um das möglichst zu verhindern, schiessen jetzt überall Crowdfundings aus dem virtuellen Boden. Das ist ein schönes Zeichen, die Solidarität feiert gerade Hochzeit.

Trotzdem ist es der falsche Weg. Um das gleich klarzustellen: Es ist toll zu sehen, wie die Solidarität spielt, wie sich die Leute selber und gegenseitig helfen. Junge gehen für Ältere einkaufen, Radios pushen Schweizer Musik, artfilm.ch öffnet sein Archiv, andere ihre Instrumentenkoffer und Balkone, das Kinok veranstaltet ein Pantoffel-Kinok, Spirituosenhersteller satteln um auf die Herstellung von Desinfektionsmittel. Die Liste ist schier unendlich.

Aber Crowdfundings sind keine gute Idee. Weil die Crowd nicht ewig funden kann. Schon gar nicht, wenn viele der geneigten Spenderinnen und Spender selber finanzielle Einbussen in Kauf nehmen müssen zur Bewältigung dieser Krise.

Verluste dürfen nicht sozialisiert werden, solange die Gewinne noch privatisiert werden. Es darf nicht sein, dass die «kleinen Leute» jetzt landauf landab irgendwelche Clubs und Kleinunternehmen aus dem eigenen Sack retten müssen. (Bei Roger Federer und anderen Top-Verdienern machen wir eine Ausnahme.)

Der Bund hat ein noch nie dagewesenes, milliardenschweres Hilfspaket geschnürt und allerhand ergänzende Massnahmen getroffen, um die Wirtschaft zu retten, zu der auch die Kulturindustrie gehört. Und dabei einen Teil der Verantwortung an die Banken delegiert. Diese haben schnelle Kredite zugesagt – nicht aus purer Nächstenliebe versteht sich, denn sie werden letztlich von den neuen Schulden der Unternehmen profitieren.

Statt dass jetzt alle ihr Süppchen kochen und den eigenen Laden mit Crowdfundings zu retten versuchen, sollten wir jetzt besser zusammenstehen und dem Bund, den Kantonen und Banken genau auf die Finger schauen. Sie haben der Gesellschaft ein Versprechen gegeben, das gilt es einzufordern. Und wenn jemand vergessen geht, hilft dagegen kein Crowdfunding, sondern Dialog und wenn nötig Protest.

Es ist wichtig, dass wir jetzt niemanden zurücklassen. Darum gibt es genau zwei Dinge, für die mensch jetzt crowdfunden kann und muss, sofern der eigene Kontostand das zulässt: die Menschen an Europas Grenzen und jene Menschen, die schon in der Schweiz sind, aber unter unwürdigen Umständen untergebracht und dem Virus fast schutzlos ausgeliefert sind.

Da muss man auch nicht bei Null beginnen, sondern kann zum Beispiel der IG Sans-Papiers oder der St.Galler Hilfsorganisation Aid hoc etwas zugute kommen lassen, die sich in Lesbos für Geflüchtete einsetzt.