Drucklufthupen

Zerstörte Frisuren, lästige Selfiesticks und ein Prachtskonzert von Depeche Mode: Das Sittertobel-Telegramm vom Samstag.
Von  Corinne Riedener
Depeche Mode bei der Arbeit. (Bilder: co)

Ihr Schlamm-Lovers könnt sagen, was ihr wollt. Im Sonnenschein lässt sichs halt doch besser feiern als knietief im Sumpf. Ein elendes Brillengrab ist und bleibt das Tobel trotzdem. Dritte Brille in drei Jahren. Zum Glück wars diesmal die billige.

Anne* so zu Sahra*: «Wäh, dä Typ hät mi voll agsprützt mit sinnere Wasserpistole, däbi bini extra no bim Coiffeur xsi gester!» Sahra guckt verdattert, überlegt kurz und leert Anne den Rest von ihrem Bier über den Kopf. «Besser so?» Lachend verschwinden sie im Getümmel.

Öppe so:

Nachricht erhalten: Sonntagmorgen, 5:06 Uhr

Grosse und kleine Dramen abseits der Bühne: Einer kassiert ne Ohrfeige. Höchst verdient, nachdem sie ihm dreimal deutlich gesagt hat, dass er die Finger von ihrem Arsch lassen soll. Messi muss jetzt ganz stark sein. Drucklufthupen (ja, dieses Wort gibt es) sind am Openair nicht erlaubt.

Pyros auch nicht, höhö

Man kann von «Stadionrock» halten, was man will, aber für Bands wie Depeche Mode wurde er erfunden. Dave Gahan ist ein super Tänzer. Und manchmal eine Krähe. Und einer der besten Entertainer, die ich bis jetzt live sehen durfte, ziemlich spektakulär. Man kann gar nicht anders als mitgehen. Besonders schön: die Message des fast letzten Songs samt Video, aber seht selbst:

 

«Zeitweise waren beide Bühnen in Frauenhand», teilte das Openair heute mit. «Ob der selbstbewusste Elektropop der finnischen Sängerin Alma, die klare helle Stimme von Lauren Mayberry von CHVRCHES oder der süffisante, elektronische Pop von Newcomerin Sigrid – die Frauen hatten es definitiv drauf im Sittertobel.» Es stimmt, dieses Jahr hatte es mehr Frauen als auch schon auf der Bühne, aber es könnten noch mehr sein. Und sie könnten noch selbstverständlicher sein. Hier was zur Inspiration.

Und bitte, liebe Leute, streicht dieses unsägliche Wort «Frauenband» aus eurem Vokabular. Ich werfe mit übriggebliebenen Jetons um mich, wenn ich das noch einmal höre (gäll, Hugo).

Dave hilft mir beim Werfen.

Motzen zum Zweiten: Warum gibt es Leute, die 50 Minuten lang mit dem Selfiestick vor der grossen Bühne stehen? Auf wie vielen Selfies bin ich nun ungewollt verewigt und kann man irgendwas gegen diese Pseudo-Influencerinnen-Trullas tun?

Entdeckung zu später Stunde: Meute geht voll ab. Die Hamburger beherrschen ihr Blaswerk wirklich ausserordentlich gut, es ist ein Genuss, dieser Techno-Kappelle zuzuschauen. Sowas brauchts an Hochzeiten, nicht diese schnulzigen Einmannbands!

Da war die Meute noch am aufbauen, gespielt haben sie später im Frack.

*Vielleicht hiessen sie auch Vroni und Monika. Oder Samira und Juliette.