Der Helikopter

Wer in Eritrea den Dienst verweigert, wird bestraft. Die Strafen sind grausam, gehören im Militärdienst aber zur Tagesordnung. Der helikopter ist nur eine von vielen Foltermethoden.
Von  Yonas Gebrehiwet

Wir eritreischen Staatsangehörigen kommen aus einer Diktatur mit sechs Millionen Einwohnern und sind aktuell die grösste Flüchtlingsgruppe in Europa. In der Schweiz leben derzeit etwa 30’000 Eritreerinnen und Eritreer. Jeden Monat flüchten weitere 4’000 Menschen. Diese Zahlen müssten eigentlich reichen, um zu erkennen, dass bei uns etwas gewaltig schief läuft. Kommt hinzu, dass es über Eritrea kaum mehr Informationen gibt als beispielsweise über Nordkorea. Ist es also so abwegig, dass in meinem Land Menschenrechtsverletzungen begangen werden, die unsere Regierung verheimlichen will?

Wie ich im Juniheft bereits erwähnt habe, heissen die Fluchtursachen unter anderem Sklavenarbeit, Sexsklaverei bei Frauen, Folter und National Service. Das ist ein unbefristeter, obligatorischer Militärdienst, der mit 17 beginnt und bis zur Pension dauern kann. Vollzeit. Der Monatslohn von 7 Franken ist reine Farce, da man in Eritrea als Einzelperson etwa 100 Franken zum Leben braucht.

Wer den Dienst verweigert, wird bestraft. Die Strafen sind grausam, gehören im Militärdienst aber zur Tagesordnung. Der «Helikopter» zum Beispiel ist eine der gängigsten und schlimmsten Foltermethoden: Dabei wird das Opfer an Armen und Beinen zusammengebunden, aufgehängt und manchmal mit Zuckerwasser bespritzt (Bild). Die Haut juckt stundenlang, da der Zucker unzählige Insekten aus der Wüste anzieht.

Obwohl wir immer wieder auf die schlimmen Zustände hinweisen, reden die Leute in der Schweiz (allen voran die SVP) bei uns nicht von «politisch Verfolgten». Lieber nennt man uns «Wirtschaftsflüchtlinge ». Doch das sind wir nicht, und das wissen viele Schweizerinnen und Schweizer auch. Die Hetze der SVP dient genau einem einzigen Zweck. Dem Wahlkampf.

Statt die Schwachen noch mehr zu schwächen, würde sich die SVP besser für eine Schliessung des Eritreischen Konsulats in Genf einsetzen, wie auch wir von der Eritreischen Solidaritätsbewegung für die Rettung der Nation (ESMNS) es tun. Denn solange die illegalen Steuern gezahlt werden, wird weiterhin Geld aus der Schweiz in die Diktatur fliessen und für Folter und Sklavenarbeit eingesetzt – was die Zahl der Flüchtlinge immer weiter erhöht.

 

Yonas Gebrehiwet, 1996, ist mit 15 Jahren aus Eritrea in die Schweiz gekommen. Er wohnt in Rheineck und macht derzeit eine Ausbildung zum Textiltechnologen. Seit Frühling 2015 schreibt er monatlich die Stimmrecht-Kolumne für Saiten.