Der Berg kommt ins Tal
Der Titel heisst wie bei den ersten beiden Durchführungen: «Musique am Berg». Der Flyer aber zeigt nicht den Ostschweizer Berg der Berge, sondern die tiefverschneite Militärkantine St.Gallen. Für seine dritte Auflage kommt das zweitägige Mini-Festival vom Fuss des Säntis herunter ins Tal. Den Grund nennt der Musikveranstalter und Festivalgründer Jürg Hochuli ohne Umschweife: «Musique am Berg geht hinunter in die Stadt, um das kleine Festival noch bekannter zu machen und 2020 noch mehr Publikum auf die Schwägalp zu holen.»
Gleich bleibt die Grundidee des Anlasses: frankophone Musik und Kultur über den Röstigraben hinweg in die Ostschweiz zu holen. Und grenzüberschreitend wie in geografischem Sinn ist das Programm auch stilistisch.
Den Auftakt am Freitag macht Patrick Kessler, der in Gais lebende Bassist, in einer eigens für das Festival gebildeten Kollaboration mit zwei Genfer Musikern, dem Pianisten Jacques Demierre (einer der Träger des Schweizer Musikpreises) und der Violinistin Anouk Genthon. Am Samstag bringen Liedermacher Sacha Maffli und Akkordeonist Emilien Colin ihre Lieder unter dem Motto «chanson francophone festive teintée de poésie et d’un brin de mélancolie» in den Konzertsaal der Militärkantine. Der Name des Strassenmusik-erprobten Duos passt übrigens zum Titelthema der Saiten-Ausgabe vom Januar: Les Fils du Facteur.
Den Abend bestreitet die «Slaperin» Phanee de Pool. Ihre Mischung aus Slam, Poesie und Rap überzeugte auch an den letzten Swiss Music Awards, wo sie als eine der drei besten weiblichen Solo-Acts nominiert war. An der Sonntagsmatinée, traditionellerweise klassisch, spielen der Cellist Christoph Croisé und die Walliser Pianistin Fanny Monnet Bach und Chopin.
Musique am Berg: 18. bis 20. Januar, Militärkantine St.Gallen
Das Festival, sagt Hochuli, «möchte jungen Künstlerinnen und Künstlern, die mit ihrem musikalischen Schaffen kurz vor dem Durchbruch sind oder ab und zu noch buchstäblich am Berg stehen, in einem stilvollen Rahmen eine Auftrittsmöglichkeit bieten».
Solche Förderung ist ihm auch in seiner sonstigen Tätigkeit ein Anliegen. Hochuli veranstaltet mit seiner in Gais domizilierten Agentur einerseits eigene Konzertreihen in der Tonhalle Zürich und in der Klosterkirche Münsterlingen, mit Stars wie Sol Gabetta oder Andras Schiff. Daneben hat er eine Reihe für junge Musikerinnen und Musiker unter dem Titel «Building Bridges» ins Leben gerufen. Brückenbauen: Das will auch das Festival Musique am Berg.
Dieser Beitrag erschien im Januarheft von Saiten.