Den Bahnhof Bruggen schieben
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Die Idee, den eher verwaist wirkenden Bahnhof Bruggen an der SBB-Strecke St.Gallen-Gossau zu verschieben, ist nicht wirklich neu. Stadtkenner Markus Tofalo hat dies auf seiner Internetseite mit «Ideen für St.Gallen» schon im Dezember 2019 propagiert.
Inzwischen ist auch die Stadtplanung im Boot und vor allem ist die SBB in Zugzwang geraten, denn sie müsste aufgrund des Behindertengleichstellungsgesetzes den Bahnhof Bruggen bis 2025 hindernisfrei ausbauen. Ein Vorhaben, das – in der Kurve, in der Bahnhof Bruggen liegt – zu keiner vernünftigen Lösung führt. Die Idee, die Haltestelle der S-Bahn näher an die Stadt zu schieben, stiess deshalb auch bei der SBB auf offene Ohren.
Weil die Stadt St.Gallen das Gebiet Lerchenfeld als Entwicklungsschwerpunkt sieht und weil dort der künftige Innovationspark entstehen wird, ist ein S-Bahn-Halt weiter östlich als bisher eine – auch im geografischen Sinn – naheliegende Lösung. In relativ kurzer Zeit habe man sich deshalb darauf geeinigt, das Projekt gemeinsam weiterzutreiben, stellte Stadtrat Markus Buschor an der Medienorientierung am Donnerstag fest.
Lift- und Treppentürme – Passerellen
Die Eckpunkte der neuen Haltestelle an der SBB-Strecke sind skizziert, aber im Detail noch zu planen. Gegenüber des Friedhofs Bruggen, beim Platz des Feuerwehrdepots und gleich neben der Bushaltestelle Moosweiher, würde ein Lift- und Treppenturm entstehen, der über einen anschliessenden Steg aufs Niveau der SBB-Gleise an der Gröblistrasse führt. Dort, östlich der bestehenden Bahnüberführung über die Haggenstrasse, im graden Gleisabschnitt könnte die neue S-Bahn-Haltestelle entstehen.
Hinauf zum praktisch in der Falllinie stehenden Bahnhof Haggen würde ein weiterer Lift- und Treppenturm mit einer Passerelle führen. Dieser Liftturm käme zwischen die Industriegebäude Sigvaris und Klarer Fenster zu stehen. Die Anbindung an die bestehende Unterführung im Bahnhof Haggen würde über einen Weg entlang der Südfassade der Firma Sigvaris führen.
Dieser Doppelbahnhof erschliesse die Bahn für mindestens einen Viertel mehr Bewohner:innen und Arbeitspendler:innen als der bestehende Bahnhof Bruggen, stellte Satdtplaner Florian Kessler fest. Und weil auch der Kanton den öffentlichen Verkehr fördern will, war auch Regierungsrat Beat Tinner mit am Tisch und betonte, der Kanton wolle die Entwicklung – insbesondere mit dem nahen Innovationspark – in der Stadt unterstützen.
Warten aufs dritte Gleis und die Veloroute
An den Fahrplan-Taktproblemen, die es im bisherigen Bahnhof Bruggen gibt (faktisch ein Halbstundentakt) kann der verschobene Bahnhof allein allerdings nichts ändern. Erst mit einem dritten Gleis zwischen St.Gallen und Gossau sei hier ein echter und dichter Takt möglich, hiess es an der Medieninformation. Immerhin wäre der Hauptbahnhof dann sieben Mal pro Stunde mit dem künftigen Doppelbahnhof verbunden.
Den Platz für ein drittes Gleis zwischen St.Gallen und Gossau werde man ins Projekte aufnehmen, gebaut wird es allerdings wohl erst nach 2035. Ebenfalls mit ins Projekt aufgenommen wird die Veloschnellverbindung St.Gallen-Gossau, die südlich der Gleise verlaufen soll. Aber auch dies werde ein separates Projekt sein.
Vorerst geht es um einen Projektierungskredit. Damit sollen die Varianten genauer studiert werden und wenn alles rund läuft, könnte 2028 der erste Zug im verschobene Bahnhof Bruggen halten. Eine Prognose, die allerdings auch die Promotoren sehr sportlich finden.