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Visuell vergewaltigt und schwer enttäuscht

Die SVP pflastert die Schweiz im Wahlkampf zu – mit Themen, aber vor allem mit Plakaten. Schlimmer aber ist, dass von der Gegenseite keine nennenswerte Reaktion kommt.
Von  Urs-Peter Zwingli

ich habe die schnauze voll.

seit monaten kurble ich auf dem rennvelo durch die schweiz. und egal wo ich gerade durchfahre, lachen mir svp-politiker von stellplakaten entgegen: rösti und amstutz am brienzersee, kurz bevor ich auf die brünig-passstrasse einbiege. thalmann und brunner im toggenburg auf der langezogenen abfahrt nach st.peterzell. halter und wyler in obwalden beim rollen entlang des unwirklich grünen lungernsees. und schliesslich «dä zubi» in ausserrhoden auf dem anstieg von herisau nach schwellbrunn.

langsam vergeht mir die lust zum gümmelen, und das liegt nicht am herbstwetter. sondern an der svp und den schweizerkreuzen, die die partei auf all ihre wahlplakate draufdruckt. message: wir sind schweiz. wir bestimmen, was schweiz ist.

aber wem «gehören» all diese wunderschönen gegenden mit ihren bewohnern? soll man das berner oberland oder das toggenburg, diese bilderbuchschweizen, einfach so der svp überlassen, weil sie hier eh stark ist? ich träume von einem anderen toggenburg, von einem fortschrittlichen berner oberland, von nidwalden und obwalden, die ein bisschen anders denken.

manchmal zeige ich den plakaten  beim vorbeifahren die zunge. irgendwie befriedigt mich das für eine sekunde, aber es ändert ja doch nix. zubi grinst einfach weiter und versaut mir die nächsten paar kilometer.

Was ist mit der Agglo? Wo seid ihr!?

die visuelle vergewaltigung hört auch nicht am strassenrand auf, nein: wahlkampf-flyer schneits im 4-tages-rhythmus in meinen städtischen briefkasten. reimann, «konsequent seit 8 jahren», thomas müller, «bewährt, erfahren», keller-inhelder mit sturmgewehr und knuddligen hunden, eine art sarah palin des linthgebiets.

gleichzeitig höre ich, dass ebendiese müller-reimann-keller-inhelder-partei laut umfragen im oktober mit satten stimmgewinnen rechnen darf. viele schweizer glauben an den slogan, dass wir mit der svp «frei bleiben».

und politik-polterer wie linus thalmann und mike egger sind im 20 minuten und tagblatt ja eh stammgäste. müssen nur etwas sinnloses bis unmögliches fordern oder über probleme diskutieren, die unser land weder hat noch braucht.

das traurigste an der ganzen geschichte aber ist, dass von der gegenseite wenig bis kein reaktionen kommen. machen sp, machen grüne, machen mitte-parteien mobil gegen die flächendeckende zupflasterung der bilderbuchschweizen? aus der ganz subjektiven sicht eines rennvelo-piloten: nicht wirklich.

in den städten (bern, luzern und st.güllen habe ich in letzter zeit inspiziert) sieht das bild übrigens nicht gross anders aus. cvp und fdp sind zwar noch ein bisschen bürgerliches beigemüse an einigen ecken, andere köpfe muss man hingegen suchen.

und wenn ich sie finde, dann hängen sp-politiker in st.gallen an altbauvillen am rosenberg oder schicken neubau-siedlungen in richtung st.georgen.

was ist mit sampfiden, dem neudorf, dem heiligkreuz? was ist mit den vom verkehr zugemüllten ausfallstrassen? was ist mit flawil, degersheim und gossau? was ist mit schwellbrunn? was ist mit der agglo? was ist mit den landstrassen? was ist mit dem toggenburg? wo seid ihr!? macht endlich lärm!

SP-Inserat aus der jüngsten Saiten-Ausgabe:

IMAG1352und wenn man dann  auf die sp stösst, dann in inseraten kryptischen inhalts.  die sp mag zwar die besseren grafiker haben als die svp mit ihren collageartigen word-art-plakaten – aber wer versteht das da oben?!

wieso die eh schon knappen ressourcen noch dadurch verschwenden, dass man einen möglichst originellen slogan kreiert, den ausser ein paar insidern niemand begreift?

anna und sophie seien nämlich namen, die auf der aktuellen vornamen-hitliste ganz oben stünden, erklärt mir jemand, der es wissen muss. das inserat zielt also auf die zukunft ab, auf kommende generationen. schöner gedanke, ganz schlecht verkauft. natürlich, dieses «frei bleiben» ist unglaublich plump – aber verstehen tuts jeder.

Der Berner Dichter Jürg Halter (Ex-Kutti MC) ist offenbar auch leicht genervt – und deutet die SVP-Slogans um:

aber klar, werden die linken und grünen sagen, die svp hat eben mehr geld. die können mehr werben. das mag ja sein, aber es braucht halt auch ideen und den mut, für diese hinzustehen und sie zu vertreten. im wahlkampf auch mal mit der nötigen zuspitzung (nicht zu verwechseln mit sinnentleertem populismus). dann ist geld letztlich nicht der alles entscheidende faktor.

also: wo sind die guten ideen der linken? stopp, korrektur: man muss ja noch nicht mal links sein, um sich der svp entgegenstellen zu wollen. also: wo sind sie, die guten und mutigen ideen jener, die die bilderbuchschweizen und städte nicht der svp überlassen wollen?

ich werde ausschau halten, am wochenende, auf dem ricken, an der schwägalp, im fürstenland, woauchimmer, rollen, schauen – und hoffen.

Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

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Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

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Bachtage ki und musik 1

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Arthur Stobete nah

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Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

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Stadtkultur2

Ei­ne Por­ti­on Kunst

Im Kunst Kon­tor Ror­schach lud der Künst­ler Fe­lix Stöck­le zu ei­nem Din­ner, ei­ner Aus­stel­lung, ei­nem Hap­pe­ning – zwi­schen Fi­ne Di­ning, Ke­ra­mik, pop­kul­tu­rel­len Re­fe­ren­zen und der al­ten Idee ei­nes ge­teil­ten Ti­sches.

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Kunstkontor dinner felix stoeckle 1

Hür­de um Hür­de

Nach zehn Jah­ren in der Schweiz woll­te sich Sa­mi­ra Ra­him mit ih­rer Fa­mi­lie ein­bür­gern las­sen. Die zahl­rei­chen bü­ro­kra­ti­schen Hin­der­nis­se und die ho­hen Kos­ten brach­ten die Fa­mi­lie zeit­wei­se fast da­zu, auf­zu­ge­ben.

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Raum­pla­nung als He­bel ge­gen die Woh­nungs­kri­se

Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

Von  Rahel Lämmler
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Nach dem Rück­tritt von Pe­ter Jans: Das Ren­nen um den va­kan­ten Stadt­rats­sitz ist er­öff­net

SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

Von  Reto Voneschen
Offizielles bild stadtrat 2021 Bild PD Ueli Steinbgruber

Ein Tau­mel von Grün

Im Bo­ta­ni­schen Gar­ten St.Gal­len geht es ab nächs­ten Sams­tag wun­der­sam zu und her: Künst­ler:in­nen aus ver­schie­de­nen Spar­ten la­den zum sze­ni­schen Rund­gang un­ter dem Ti­tel In der Däm­me­rung wächst ein Flüs­tern. Ein Pro­ben­be­such.

Von  Peter Surber
Daemmerung Prates de Matos 4

In den Wald hin­ein

Der Dra­ma­ti­ker An­dre­as Sau­ter liest am 27. Au­gust im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau aus sei­nem un­fer­ti­gen Ma­nu­skript Ein­bruch der Wild­nis. Im Zen­trum des Werks steht die Fra­ge, was es für ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Wan­del braucht.

Von  Vera Zatti
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«Ich bin mir voll­kom­men fremd, wenn ich nicht schrei­be»

Die deut­sche Fil­me­ma­che­rin Re­gi­na Schil­ling bringt zum 100. Ge­burts­tag von In­ge­borg Bach­mann Je­mand, der ein­mal ich war ins Ki­no. Der Do­ku­men­tar­film ver­knüpft gross­ar­ti­ge Ar­chiv­auf­nah­men mit fik­tio­na­len Sze­nen aus dem letz­ten Le­bens­jahr der Dich­te­rin zu ei­nem zu­gäng­li­chen Plot.

Von  Eva Bachmann
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Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
El hidaje rundgang david gadze

Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
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Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
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FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
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Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
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Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
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Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi