
Die Urdemokratie Schweiz ist geradezu antimonarchisch eingestellt. Nicht nur der Schweizer Gründungsmythos der drei Rütlischwörer beweist es. Jede Menge weiterer Halbwahrheiten und Sagen dichten sich die Helvetier in ihre So-sind-wir-Psyche hinein. Die Freiheitskämpfe der Eidgenossen gegen die Habsburger etwa. Die wohl bekannteste Geschichte aber ist die vom bösen Vogt und dem guten Bauern. Letzterer befreit das leidgeplagte Volk von ersterem und wird fortan als Tyrannenmörder gefeiert. Die Aussage ist unmissverständlich: Im Schweizerlande leben Royalisten gefährlich. Zeit für Saiten sich diesen April zu fragen, wieso denn trotzdem fast jedes Dorf seinen König hat. Mit den Schweizer Sagen haben sie vor allem zwei Dinge gemeinsam. Zum einen: gute Geschichten. Es gibt nämlich einiges zu erzählen über die Monarchen des Stammtisches. Zum anderen: Ungehorsam. Sie verbeugen sich so wenig vor dem Gesetz, wie Tell sich vor dem Hut auf der Stange.
Gemeindepräsidenten werden nicht selten von ihrer geschickt ausgenützten politischen Macht zu Königen gekrönt und wenn Eigennutzen winkt, wächst auch der Hofstaat schnell. Neben solch politischer, gibt es auch die rein monetäre Macht. Manch ein Eidgenosse pflegt nicht nur zur Demokratie sondern auch zum Mammon ein «direktes» Verhältnis. Wer in Besitz von richtig viel Geld ist, der kann sich einen grösseren Hofstaat entweder anschaffen, oder simpler: anlachen. Der Privatbanker Hummler etwa ist mehr als ein Dorfkönig, er leistet sich beinahe eine ganze Stadt. Kaspar Surber hörte sich beim Gefolge um. Nicht selten jedoch kracht der Thron zusammen, auf welchem sichs die Herren Präsidenten gemütlich machen wollten. Darum lässt sich die Gemeindeammännin aus Herdern erst gar nicht darauf nieder. Und dann gibts noch eine Ausnahme. Jede Monarchie bringt früher oder später einen weisen Herrscher hervor. Hier im Lande ists der Herisauer König. Darum wünschen wir ihm und nur in diesem Fall: Lang lebe der König!
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Inhaltsverzeichnis (mit Klick auf die gelb unterlegten Titel gelangt man zum PDF):
Wege zur Erlösung. von Milo Rau
Meisterstück. von Beatrice Akeret
FDP-Prestigeprojekt ohne Chancen. von Andreas Kneubühler
Mehrfach belichtet. von Daniel Ammann und Sabina Brunnschweiler
Auch die Töbelchen sind heute verkabelt.
Warum es in Schwellbrunn keine Dorfkönige mehr gibt. von Wolfgang Steiger
Hummlers Hofstaat.
Die Geschichte des St.Galler Feudalherren. von Kaspar Surber
Das Krachen des Stuhls hallt lange nach.
Siege und Talfahrten von Gemeindepräsidenten. von Meinrad Gschwend
Weder Königin im Dorf, noch Prinzessin an der Fasnacht.
Cornelia Komposch ist keine Stammtischregentin. von Mathias Frei
Herumlungern als erkenntniserweiternde Disziplin.
Herisaus eleganter Häuptling Ludwig Bauer. von Ursula Badrutt
Fotografien von Beni Bischof
Rundflug. von Kurt Bracharz, Mathias Frei, Heidi Eisenhut, Meinrad Gschwend, Manuel Lehmann und Andreas Roth
Das Hickhack um «Tele Ostschweiz». von Harry Rosenbaum
Denkmalpflege im Spagat. von Peter Müller
Flaschenpost. von Phillippe Büchel auf Weltreise
Musik. An der Pressekonferenz des Openairs. von Johannes Stieger
Film. Jim-Jarmusch-Retrospektive in Dornbirn. von David Wegmüller
Film. Gefährliche Liebe in der orthodoxen Gemeinschaft. von Andrea Kessler
Literatur. Arno Geigers neues Buch. von Mirjam Bromundt
Theater. Bliese wagt sich an Bernhards «Minetti». von Anita Grüneis
Kunst. Tourismus als Extremsport. von Axel Jablonski
Von der Rolle. von David Wegmüller
Literatour. mit Lea Hürlimann
Presswerk. von René Sieber
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