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Dokumentation als Waffe

Jungkunst: Noch bis Ende Woche stellen in der Winterthurer Halle 53 Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Schweiz ihre Werke aus. Giulia Bernardi hat sich die Arbeiten von vier Ostschweizer Kunstschaffenden angeschaut, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Von  Gastbeitrag
Para Paradies von Johanna Gschwend. (Bilder: Giulia Bernardi und Jungkunst)

Aramis Navarro: «Zeiget Sie Zäh»

«Ich habe immer gerne gemalt, war in der Schule aber nie wirklich gut darin», meint Aramis Navarro. Doch er malte weiter, lange nebenbei und meist als Ausgleich zu seiner Lehre als Polymechaniker und der darauffolgenden technischen Berufsmatura. «Irgendwann stellte ich fest, dass es mir nicht entspricht, das Leben auf Zahlen aufzubauen», sagt Navarro; also fasste er den Entschluss, sich zunächst für ein Jahr als Autodidakt in der Kunst zu versuchen. Mittlerweile arbeitet er seit fünf Jahren in seinem Atelier in Rapperswil.

Was ihn interessiert? Sprache und die Missverständnisse, die sie generieren kann. Für die Serie Fake News (2018) hat er einer Sprach-zu-Text-App Zeitungs-Schlagzeilen vorgelesen. Die App versuchte das Gesprochene auf Schweizerdeutsch anhand phonetischer Parallelen ins Hochdeutsche zu transkribieren. So wurde aus Sätzen wie «Zeiget Sie Zäh» (Zeigen Sie die Zähne), «Zeige sitze».

Fake News, 2018. Transferdruck auf Leinwand

Den falsch verstandenen Inhalt hat Navarro dann figurativ dargestellt. Um auch hier dem Thema der Entfremdung treu zu bleiben, hat er den lachenden Mund auf eine Glasplatte gemalt und diese per Transferdruck auf die Leinwand übertragen.

«Ich finde es charmant, dass man sich bei solchen Arbeiten etwas zusammenreimen muss», sagt Navarro und lacht. So ist neben Sprache auch Humor ein wichtiger Bestandteil seines Schaffens. «Ich möchte die Betrachterinnen und Betrachter nicht ihrer Fantasie berauben, indem ich ihnen vorgebe, was sie sehen sollen.»

Claudia Bühler: Dokumentation als Waffe

«It’s Not Science Fiction» lautete der Abbinder einer Rekrutierungskampagne der Air Force aus dem Jahr 2014, bei der das Narrativ von einer computersimulierten Kriegssituation in die reale Welt überging. Die Kampagne veranlasste Claudia Bühler dazu, über die Rüstungsindustrie zu recherchieren, vor allem über diejenige, die Waffen an Länder liefert, die beim Konflikt im Yemen involviert sind.

Jungkunst 2018:
noch bis 28. Oktober, Halle 53 Winterthur
Infos und Programm: jungkunst.ch

In ihrer Installation, die als Titel den Abbinder der Rekrutierungskampagne trägt, sind zwei Wände mit Zeitungsartikeln und Notizen behängt, die sich in den letzten eineinhalb Jahren angesammelt haben und nun mit einer roten Schnur miteinander verbunden sind. «Als ich über die Industrie recherchierte, hatte ich das Bedürfnis, die Firmen mit eigenen Augen zu sehen, um sie für mich fassbar zu machen», sagt Bühler. Dafür reiste sie in Deutschland und der Schweiz umher und fotografierte die Gebäude.

«Meine Arbeit soll nicht nur ästhetisch sein, sondern auch die Auseinandersetzung mit dem Thema sichtbar machen», erklärt die Künstlerin. «Es ist mir wichtig, beispielsweise anhand der Artikel aufzuzeigen, wie die Fotoserie entstand, und so einen Denkprozess sichtbar zu machen, der noch nicht abgeschlossen ist.»

Neben ihrer künstlerischen Arbeit und einem abgeschlossenen Studium in Fotografie an der Ostkreuzschule in Berlin engagiert sich Claudia Bühler für die kulturelle Vielfalt ihrer Heimatstadt St.Gallen. Mitte des Jahres organisierte sie das «Ostschweizer Kunstfestival» und ist nun am Projekt «Haus Famos» beteiligt. Bei letzterem sollen in einer Liegenschaft an der Davidstrasse, die momentan zur Zwischennutzung frei steht, Atelierplätze geschaffen werden.

«Wir möchten auf das Bedürfnis nach unabhängigen und schnell verfügbaren Räumen eingehen», so Bühler. «Viele Künstlerinnen und Künstler studieren in einer anderen Stadt oder im Ausland. Solche Projekte sollen Kunstschaffende dazu bewegen, nach dem Studium nach St.Gallen zurückzukehren.»

Heckler & Koch, Oberndorf a.N., 2018, it’s not science fiction, Inkjet Print, 40x40cm

Drü Egg: Über Landschaften und Bühnen

An die 150 Quadratmeter misst die imposante Wand, die Dominik Rüegg seit letztem Samstag illustriert. «Es ist das grösste Bild, das ich bis jetzt gemalt habe. Ich hatte im Vorfeld Bilder der Wand gesehen – aber zum Glück nur digital», sagt Rüegg und lacht. «Als ich dann davor stand, musste ich erstmal leer schlucken».

30 Stunden hat er schon daran gearbeitet, 15 bis 20 stehen voraussichtlich noch an. Unten rechts angefangen, arbeitet er sich nach links oben hoch und füllt die Wand mit seinen Landschaften – diesmal nicht wie üblich in schwarz-weiss, sondern in blau-grün.

Schon während seiner Lehre als Gärtner und seinem Studium in 2D-Animation an der Hochschule Luzern war ihm seine Leidenschaft für die Natur eine treue Begleiterin. «Landschaften stellen keine Geschichten dar, sondern sind die Bühne dafür», sagt Rüegg. «Die Geschichten sehen die Betrachterinnen und Betrachter darin.» So lassen seine Illustrationen vieles offen, verändern sich situationsbedingt oder durch persönliche Erlebnisse wie beispielsweise durch seine Reise nach Panama.

Neben seinem Teilzeitjob im Migros-Kulturbüro bleibt ihm genug Zeit für Auftragsarbeiten. «Normalerweise sage ich nicht, dass ich Graffitis mache», sagt Rüegg. «Vor allem nicht in St.Gallen. Dort ist der Begriff noch immer sehr negativ behaftet. Viele denken bei Graffiti und Street Art noch immer an angesprayte Züge.» Muralism träfe es wohl eher, da es bei seiner Arbeit um die Wand und das Mauerwerk gehe, die mit seinen Landschaften zur Bühne fantasievoller Geschichten werden.

Johanna Gschwend: Absurder Alltag

Auf ihrer Zweikanal-Videoinstallation Para Paradies (2017) macht Johanna Gschwend die Doppeldeutigkeit unseres Alltags sichtbar – dem eine gewisse Absurdität innewohnt. In ihrer Arbeit zeigt sie ein allbekanntes Szenario: ein altes Haus, das abgerissen wird. Nachdem es lange fester Bestandteil des Dorfes war, soll es nun einer neuen Überbauung weichen.

«Obwohl Veränderungen etwas Positives an sich haben, kann auch etwas verloren gehen», sagt Johanna Gschwend. «Diese Doppeldeutigkeit, mit der ich in meiner Arbeit zu spielen versuche, interessiert mich.»

Gleichzeitig vermischt die in Luzern lebende Künstlerin Realität und Fiktion miteinander; so wird eine Situation nicht nur dokumentiert, sondern auch kommentiert. In Para Paradies treten rothaarige Zwillinge ins Bild, die den Abriss auf ihren Trommeln musikalisch untermalen. «Marschtrommeln haben etwas Brutales, etwas Wuchtiges an sich», beschreibt Gschwend. «Gleichzeitig sind die zwei Protagonistinnen sehr mädchenhafte und liebliche Erscheinungen.»

Diese Gegenüberstellung findet sich auch in anderen Szenen wieder: Ein Baum, der gefällt wird, aber nicht fällt, sondern durch ein elastisches Band in der Luft schwebt. Eine Hecke, die als Sichtschutz dient, doch sobald sie geschnitten wird wie eine Wand einstürzt.

Für die Installation hat Johanna Gschwend die beiden Leinwände im rechten Winkel zueinander positioniert, was die Betrachterinnen und Betrachter im Geschehenen eintauchen lässt und die Gegenüberstellung von Alltag und Absurdität, Realität und Fiktion auch räumlich hervorhebt.

 

Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

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Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

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Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

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Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

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Kunstkontor dinner felix stoeckle 1

Hür­de um Hür­de

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Nach dem Rück­tritt von Pe­ter Jans: Das Ren­nen um den va­kan­ten Stadt­rats­sitz ist er­öff­net

SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

Von  Reto Voneschen
Offizielles bild stadtrat 2021 Bild PD Ueli Steinbgruber

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Im Bo­ta­ni­schen Gar­ten St.Gal­len geht es ab nächs­ten Sams­tag wun­der­sam zu und her: Künst­ler:in­nen aus ver­schie­de­nen Spar­ten la­den zum sze­ni­schen Rund­gang un­ter dem Ti­tel In der Däm­me­rung wächst ein Flüs­tern. Ein Pro­ben­be­such.

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In den Wald hin­ein

Der Dra­ma­ti­ker An­dre­as Sau­ter liest am 27. Au­gust im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau aus sei­nem un­fer­ti­gen Ma­nu­skript Ein­bruch der Wild­nis. Im Zen­trum des Werks steht die Fra­ge, was es für ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Wan­del braucht.

Von  Vera Zatti
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«Ich bin mir voll­kom­men fremd, wenn ich nicht schrei­be»

Die deut­sche Fil­me­ma­che­rin Re­gi­na Schil­ling bringt zum 100. Ge­burts­tag von In­ge­borg Bach­mann Je­mand, der ein­mal ich war ins Ki­no. Der Do­ku­men­tar­film ver­knüpft gross­ar­ti­ge Ar­chiv­auf­nah­men mit fik­tio­na­len Sze­nen aus dem letz­ten Le­bens­jahr der Dich­te­rin zu ei­nem zu­gäng­li­chen Plot.

Von  Eva Bachmann
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Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
El hidaje rundgang david gadze

Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
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Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
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FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
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Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
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Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
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Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi